Hello Etsy or Rethinking the way we do business

Hello Etsy or Rethinking the way we do business

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Die erste HelloEtsy-Konferenz ist vorbei, aber die Gedanken, die sie angestoßen hat, wirken noch nach: Ist es möglich eine nachhaltige „human-scale“ Wirtschaft zu schaffen, wo es nicht nur um Kommerz geht, sondern Aspekte wie Glück und kulturelle Gemeinschaft ebenso eine Rolle spielen?

Dieser Gedankenansatz wurde auf der Konferenz von verschiedenen Seiten her beleuchtet. Er erfordert, dass wir Fortschritt und Wachstum neu definieren. Nicht länger das Bruttoinlandsprodukt (gross domestic product, GDP) ist ausschlaggebend, wie Tony Greenham (nef) in seinem Talk bemerkt, sondern das allgemeine Wohlbefinden entscheidet über den Fortschritt eines Staates, wie bereits Robert Kennedy 1968 feststellte:

„Gross national product counts air pollution and cigarette advertising and  […] the destruction of our redwoods and the loss of our natural wonder in chaotic sprawl. […]
Yet the gross national product does not allow for the health of our children, the quality of their education, or the joy of their play, […] the beauty of our poetry or the strength of our marriages; […] it measures everything, in short, except that which makes life worthwhile.“

Die neue Definition von wirtschaftlichem Fortschritt zeichnet sich nicht allein durch Kommerz aus, sondern ebenso durch Wohlbefinden – ein Zustand, der durch Gefühle wie Glück und kulturelle Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft ausgelöst wird. Etsy versteht sich als eine Plattform, die nicht nur eine Verbindung zwischen Käufer und Verkäufer herstellt, sondern vor allem auch zwischenmenschliche Beziehungen in den Vordergrund stellt. Es geht um das Herstellen einer Verbindung zwischen Menschen, wobei über den Austausch von Produkten auch kulturelle Werte transferiert werden. Es geht um den Aufbau einer Wirtschaft, die nicht um jeden Preis wachsen will, sondern sich dem nachhaltigen und bewussten Konsum verschreibt, wie Douglas Rushkoff treffend in seinem Talk bemerkte:

„Scale this mother***r. Why do I wanna scale?“

Denn Wachstum bedeutet, aus der Tätigkeit, die man ausübt, herauszuwachsen, um sie andere machen zu lassen. Zwangsläufig wird man zum Manager und ist nicht mehr der Macher. Man entfernt sich vom Produkt und den zwischenmenschlichen Beziehungen – ein Ideal, das an den Business-Schulen gelehrt wird und in die 80er und 90er passt, aber keines, mit der sich die Etsy-Community identifiziert. In einer nachhaltigen Wirtschaft dreht sich die Pyramide um, wie das Modell von Patty Brennan illustriert. Während der typische Geschäftsmann sich bei seiner Tätigkeit einzig auf den unteren beiden Rängen bewegt, benutzen Kreative zusätzlich ihre eigene Schaffenskraft und Imagination, um Lösungen zu erarbeiten. Es geht somit nicht einzig darum, andere arbeiten zu lassen, sondern selbst kreativ und am Schaffensprozess beteiligt zu sein.

Deshalb bot die Konferenz neben geistreichen Talks und vielen Denkanstößen auch die Möglichkeit das Gehörte zu verarbeiten, Nachzudenken, beim Yoga zu sich zu finden – oder man nutzte die Zeit zum Austauschen und Kommunizieren oder selbst kreativ zu werden und z.B. im Näh-Workshop von Linkle von Kissen anzufertigen.

Alles in allem zwei intensive Tage mit regen Denkanstößen. Ich bin gespannt, was das Erlebte bei den 520 Besuchern nun ausgelöst hat und ob es der Etsy-Community gelingt, den Weg der nachhaltigen Wirtschaft weiter zu beschreiten. Und vor allem: wie kann dieser Weg aussehen?